Erholung
Bis zur nächsten Antikörper- und Chemotherapie am 8. + 9.September habe ich nun eine Erholungspause, die ich auch wirklich brauche. Nach der letzten Chemo habe ich ungefähr 10 Tage gebraucht, um mich wieder wie ein Mensch zu fühlen, der wenigstens zu Hause etwas machen kann und nicht nur wie eine Halbtote auf der Couch liegt.
Alleine nach draußen traue ich mich noch nicht wirklich. Letzte Woche war meine Nachbarin mit mir eine kleine Runde spazieren und in unserem Lebensmittelmarkt eine Kleinigkeit einkaufen. Holger macht immer den großen Wocheneinkauf. Bis jetzt habe ich Probleme mit meinem Blutdruck, er meint, plötzlich mal ganz rapide abzusacken, dann wird mir ganz schön plümerant.
Heute war ich alleine etwas einkaufen. Der Weg zum Lebensmittelmarkt ist für mich wie ein Marathonlauf, meine Beine sind ganz wackelig. Ehe ich mich zu Hause entschließe loszugehen, dauert es ewig...ach, nochmal auf die Toilette, ach, setz dich mal noch einen Augenblick hin und atme durch....und...und... Dann spielt die Psyche ein große Rolle, kaum beim Einkaufen, wird mir trieselig und ich habe Watte im Kopf, also durchatmen, du schaffst das... Ja, ich habe es geschafft, war dann aber froh, wieder zu Hause zu sein.
Letzten Samstag waren wir mit ein paar Sportfreunden auf der Müggelspree paddeln. Mein Kapitän hat mich wieder wunderbar über das Gewässer gepaddelt, doch war es anstrengend, den ganzen Tag draußen zu sein. Auf dem Rückweg waren wir bei Holgers Vater, der uns mit Gartenäpfeln und Pflaumen versorgt hat. Daraus habe ich Apfel- und Pflaumenmus gemacht.
Die Begleiterscheinungen nach der letzten Chemotherapie wie Sodbrennen, Kopfschmerzen und geschwollene Lymphknoten am Hals haben sich hartnäckig auch über ca.10 Tage gehalten. Gegen das Sodbrennen habe ich von der Ärztin noch Tabletten bekommen, und mein lieber Kapitän-Pfleger-Lebenspartner Holger hat mir Kamillentee zu trinken gegeben, es hilft wirklich, wenn das Sodbrennen so schlimm ist. Seitdem habe ich auch mit meinem Blutdruck zu kämpfen, ich nehme im Moment gar keine Blutdrucktabletten mehr, da er sonst zu niedrig ist. Ich habe auch Gefühlsstörungen in meinen Fingerkuppen bekommen. Durch die Chemo werden nicht nur alle Schleimhäute, sondern auch die Nerven in Mitleidenschaft gezogen.
Meine Thrombozyten waren so abgesackt, das ich in der letzten Woche am Donnerstag nochmal zum Blut abnehmen musste, weil ich eventuell eine Infusion bekommen sollte. Aber mein Körper hat sich selber geholfen, wie bei den Leukozyten auch, die Schwester kam freudestrahlend mit dem Spruch: "Deine Thrombos sind wieder da!" Puh, war ich froh, nicht schon wieder an der Nadel hängen zu müssen.
Ende September habe ich einen Kontrolltermin zum CT im Sana-Klinikum Lichtenberg. Ich bin sehr gespannt, ob sich in meinem Bauch schon irgendetwas Positives getan hat, sprich, ob die Lymphome kleiner geworden sind. Die follikulären Non-Hodgkin-Lymphome in meinem Bauch sind von Grad 1 bis Grad 3a einzuteilen, leider konnten sie im Krankenhaus von dem größten Lymphom keine Biopsie machen, da dieses zu dicht an der Aorta liegt. Positiv ist jedoch, das alle Lymphome unterhalb des Zwergfells sind, und noch nicht weiter gestreut haben. Dann steht mir noch das Wechseln der Harnleiterschiene bevor, im Idealfall kann sie entfernt werden, aber nur, wenn das Lymphom, was auf den Harnleiter drückt, kleiner geworden ist.
Ich versuche, weiterhin positiv zu bleiben. Da es mir jetzt wieder besser geht, und ich mir nicht so nutzlos vorkomme, fällt es mir natürlich leichter. Ich schaffe das !


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