3.Chemotherapie und Schwerbehinderung
Seit letzter Woche hat sich eine ganze Menge bei mir ereignet, sowohl Positives als auch Negatives. Aber am Besten der Reihe nach... Bei mir reihen sich ein auf und ab der Gefühle und Befindlichkeiten. Ich habe keine Wahl, wenn ich wieder gesund werden möchte, muss ich die Chemotherapien mitsamt ihrer Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen ertragen. Auch bemühe ich mich, meine Ernährung der Krankheit anzupassen. Ich esse viel Gemüse und Obst, morgens mein Porridge, versuche auf Fleisch und Wurstwaren zu verzichten. Mein Geschmack hat sich verändert, Süßes mag ich gar nicht mehr. Alkohol darf ich nicht trinken, ab und zu ein alkoholfreies Bier oder Radler, das gönne ich mir ! In die Sonne darf ich auch nicht, aber der Sommer ist ja sowieso fast vorbei.
Offensichtlich habe ich die 3.Chemotherapie ganz gut vertragen, aber ich musste mich einen Tag nach der Chemo ganz furchtbar zusammen reißen, da ich einen Termin beim Integrationsfachdienst Süd hatte. Es war der einzige Tag, wo Holger Zeit hatte, mich zu fahren, alleine schaffe ich es weder mit dem Auto geschweige denn mit den Öffis.
Während der Chemoinfusionen bemerkte ich schon, das mein Körper aufgrund der Cortisontherapie, die ich jedes Mal über fünf Tage machen muss, und der Zytostatika mit Wasser voll gelaufen ist, das ist unangenehm. Die Hände, die Füße, der Bauch... Ich fühle mich einfach nur dick und aufgeschwemmt. Dieses Mal trage ich seit Montag Stützstrümpfe, die helfen. Ich merke auch wie die Zytostatika in meinem Bauch arbeiten. Alle Krebszellen, die abgetötet werden, müssen dann natürlich aus meinem Körper ausgeschwemmt werden, also renne ich ständig auf die Toilette. Gestern war ich zur Immunspritze, zwei Tage nach der Chemo bekomme ich diese Spritze, damit meine Leukozyten nicht so abfallen, was sie leider trotzdem machen... Die Spritze bekomme ich in den Bauch, gestern habe ich unter Aufsicht alleine gespritzt, das nächste Mal mache ich das zu Hause, und muss nicht mehr den Fahrdienst wegen 15 Minuten beanspruchen, kostet mich ja auch jedes Mal 10 €. Die Kommunikation mit dem Fahrdienst klappt übrigens immer ganz hervorragend. Vielen Dank dafür ! Nächsten Dienstag ist wieder Blutabnahme und Arztgespräch angesagt. Das Blut wird gleich in der Praxis ausgewertet, zumindest die relevanten Werte.
Letzte Woche habe ich zweimal Post vom LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) bekommen. Einmal etwas durchaus Positives, einmal leider etwas nicht so Schönes, was ich erstmal verarbeiten muss. Leider bringt mich alles Außerplanmäßige völlig aus dem Takt. Zuerst konnte ich gar nicht begreifen, was ich da gelesen habe. Aber immer erst das Positive: Ich habe den endgültigen Bescheid für meinen Schwerbehindertengrad bekommen, und der wurde von 50% auf 100% hochgesetzt. Da habe ich mich gefreut !
Der andere Brief war leider nicht so positiv. Das LaGeSo schrieb mir, das mein Arbeitgeber meine Kündigung eingereicht hat. Wie jetzt? Erst wusste ich damit nichts anzufangen, war ziemlich geschockt, weil mein Arbeitgeber im Vorfeld leider kein Gespräch mit mir gesucht hat, dadurch war es sehr überraschend. Das musste erstmal in meinen letzten Gehirnwindungen ankommen. Daraufhin habe ich das LaGeSo angerufen. Die sehr freundliche Sachbearbeiterin erklärte mir, das bei einer Schwerbehinderung das LaGeSo einer Kündigung zustimmen muss. Ich bin mit den Vorgehensweisen ja nicht vertraut. Das verstehe ich, aber das vorher nicht mit mir gesprochen wurde, hat mich schon sehr getroffen, wo ich doch seit 2007 in dieser Praxis arbeite. Die Sachbearbeiterin riet mir, mich mit dem Integrationsfachdienst Süd kurzzuschließen, die würden mir in allen Dingen zur Seite stehen. Gesagt, getan... also dort angerufen, und einen Termin vereinbart.
Zeitlich gesehen war es sehr ungünstig, weil, der Brief kam letzte Woche am Donnerstag, diese Woche wieder Chemo und dann noch der Termin beim Integrationsfachdienst, welcher sich an der Elsenbrücke befindet, wo die Verkehrslage aufgrund der Baustellen sehr kompliziert ist, und man nur mit Glück einen Parkplatz findet. Ich konnte drei Nächte nicht schlafen, mein Blutdruck erreichte seit langer Zeit mal wieder ungeahnte Höhen. Dem Brief wurde ein Fragebogen angehangen, und das LaGeSo setzt dir eine Frist, bis wann du diesen zurück senden musst. Der nette Sachbearbeiter vom Integrationsfachdienst (mein Gott was für ein Wort!) hat mich beim Ausfüllen beraten, da ich mit manchen Fragen schlichtweg überfordert war.
Tief im Innern bin ich sehr unglücklich mit dieser Situation, ging ich doch immer davon aus, nach meiner Krankheit wieder Teilzeit zu arbeiten, und das natürlich bei meinem alten Arbeitgeber. Dieser hat wirtschaftliche Gründe für die Kündigung angegeben, ist doch meine Erkrankung ein Grund, diesen Teil der Praxis aufzugeben, der ja seit Jahren schon nicht mehr gefördert wurde. Nun gut, kommt Zeit, kommt Rat !
Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich kämpfe gegen die Krankheit und jetzt auch noch auf anderer Ebene. Alle Möglichkeiten werden in Betracht gezogen, trotzdem muss ich erstmal gesund werden, soweit es eben geht, und zu Kräften kommen. Es fällt schwer und kostet mich in allen Bereichen viel Überwindung ! 🍀

ich schicke dir ganz viel positive Energie
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