Mein langsames Leben
Langsam....alles geht sehr langsam. Entweder es geht langsam, oder gar nicht.
Da ich nachts mehr oder weniger gut schlafe, habe ich Probleme mit dem Aufstehen. Neulich habe ich sogar verschlafen, und als ich wach wurde, war es hell. Hatte ich den Wecker überhaupt gestellt? Holger muss doch zur Arbeit...doch es war alles gut, Holger hat den Wecker ausgestellt und mich schlafen lassen. Dann mache ich mein Frühstück, was meistens aus Haferflocken-Porridge und einer Kanne Kaffee besteht. Ich frühstücke im Wohnzimmer, gucke dabei Fernsehen und setze mich mit meiner täglichen Tabletteneinnahme auseinander.
Es geht alles nach und nach, und am Nachmittag geht meist gar nichts mehr. Mir fehlt oft die Lust etwas zu tun, ist das etwa auch schon eine kleine Depression ? Tatsächlich machen mir die kleinen und größeren Begleiterscheinungen der Chemotherapie zu schaffen, wie zum Beispiel Mundtrockenheit. Das hört sich wie Jammern auf hohem Niveau an, aber wenn du nachts jede Stunde wach wirst, weil dir die Zunge am Gaumen festklebt, und die Lippen auf den Vorderzähnen, dann ist das alles andere als schön. Mir reißen die Mundwinkel ein, auch die Nasenschleimhaut ist sehr trocken. Also stehe ich auf, spüle den Mund aus, und trinke etwas. Der Geschmack hat irgendwie auch gelitten.
Ja, und im Anschluss ein bisschen Haushalt, meist das Nötigste, aufräumen, abwaschen, Wäsche... das Highlight des Tages ist der Gang zum Müll oder zu unserem kleinen Lebensmittelmarkt am Ende der Straße. Außer natürlich wenn ich Therapie habe, dann konzentriere ich mich darauf. Mir ist aber nicht langweilig, wenn ich es zum Beispiel nicht schaffe, mich an meine geliebte Nähmaschine zu setzen, plane ich neue Projekte. In meinem Kopf schwirren viele Gedanken herum, sei es neue Nähprojekte, eventuell etwas zu Weihnachten, Urlaubsplanung.....
Ach ja, Urlaub....ist dieses Jahr völlig ausgefallen, sowie einige Kajaktouren, die wir geplant hatten. Ich hatte mir für unseren diesjährigen Urlaub in Schweden soviel vorgenommen, sämtliche "Loppis" (Second Hand Läden) wollte ich stürmen, ganz viele Zimtschnecken und Eis essen, am Lagerfeuer sitzen, ein wenig Abenteuer auf schwedischen Gewässern....davon träume ich jetzt.
Dennoch kann ich immer nur einen Schritt nach dem Anderen machen. Träumen kann ich, aber ich weiß ja gar nicht, was im nächsten Jahr passiert oder wie es mir geht. Also kleine Schritte, die nächste Chemotherapie steht an, und viel weiter will ich gar nicht denken ! Vor der nächsten und damit vierten Chemotherapie muss ich noch zur Verlaufskontrolle ins CT. Ich hoffe sehr, das sich in meinem Bauch schon etwas zum Positiven verändert hat, obwohl ich wieder vermehrt Schmerzen habe, denn dann kann die Stärke der Zytostatika reduziert werden, und ich vertrage es besser. Vier verschiedene Zytostatika bekomme ich, eine davon geht auf die Nerven, so dass ich einige Probleme mit meinen Händen bzw. Fingerkuppen habe, Kribbeln und Gefühllosigkeit.
Diese Müdigkeit, oder "Fatique", ist auch so ein Problem. Ein Teufelskreis, bin ich sehr müde, kann ich nichts machen, geht es mir gut und ich habe etwas Energie und mache etwas, werde ich wieder schnell müde. Hinzu kommen Mutlosigkeit und kleine depressive Verstimmungen.
Aber ich werde mich durchkämpfen, und hoffe, das ich Ende des Jahres mit der Chemotherapie durch bin ! Dann wird eine Erhaltungstherapie und hoffentlich eine Kur folgen, damit ich wieder zu Kräften komme.
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