Schweden... wir kommen !

 Meine Onkologin meinte, das ich ohne weiteres in den Urlaub fahren dürfe. Sie weiß ja nicht, welche Art Urlaub wir immer machen ... Camping, paddeln, Gepäckfahrten mit dem Kajak. Ich fühlte mich für gewisse Dinge noch nicht fit genug, was ich letztendlich auch nicht war. Für 3 1/2 Wochen sollte es nun nach Schweden gehen, ohne Plan, ohne festes Ziel. Da wir unabhängig von festen Fährüberfahrten sein wollten, nahmen wir auf der Hin- und Rückreise den Landweg über die Storebeltbrücke und die Öresundbrücke. Und das hat prima geklappt ! 


Wir hatten unsere beiden Einer-Kajaks und zwei Fahrräder dabei. Wir wollten paddeln, wenn auch keine mehrtägige Gepäckfahrt machen, dazu reicht meine Kraft und Energie nicht aus, jedoch einige Tagestouren unternehmen. Also hatten wir am Mittwoch, den 22.Juli, früh um 4 Uhr den Wecker gestellt, um 6 Uhr wollten wir losfahren, das hat auch fast geklappt !  Die Straßen waren leer, und so kamen wir ohne schnell zu fahren zügig voran. Was war das herrlich, endlich nach zwei Jahren mal wieder raus ! 

Ohne Stau mit einigen Pullerpausen sind wir Richtung Flensburg, von dort aus durch Dänemark und schließlich vom Festland auf die dänischen Inseln gefahren. Wir hatten reichlich Proviant dabei, und so brauchten wir keine Mittagspause. Spannend wurde es dann an der Storebeltbrücke... wir sind dem Öresund-Club beigetreten, und auf der grünen Spur fahrend sollte sich die Schranke öffnen. Ja, und sie tat es, genau wie an der Öresundbrücke. Die Technik ist schon faszinierend, innerhalb von Sekunden muss dein Kennzeichen erfasst werden, so das du freie Fahrt hast. Nach einigen Tagen wird dir die Gebühr vom Konto abgebucht, diese war für die Storebeltbrücke 27,50 €, und für die Öresundbrücke 24 € pro Überfahrt für Fahrzeuge unter 6m. 

Einige Fakten : Die Storebeltbrücke ist ca. 18 km lang, in der ungefähren Mitte befindet sich eine natürliche Insel, die künstlich noch aufgeschüttet wurde. Sie verbindet die dänischen Inseln Fünen und Seeland seit 1998. Die Ostbrücke ist eine Hängebrücke mit einer Spannweite von 1624m, und somit eine der längsten der Welt. Die Westbrücke ist eine flache kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke, der Zugverkehr verläuft auf der östlichen Seite in einem Tunnel.

Die Öresundbrücke ist eine Verbindung von Kopenhagen nach Malmö, 16 km lang, eine Kombination aus 8 km Brücke, 4 km Tunnel und 4 km künstlicher Insel. Sie wurde im Jahr 2000 eröffnet. 

Kurz hinter Malmö, in Löddeköpinge, habe ich uns einen Stellplatz für eine Nacht und 10 € bei so einer Art Wikingermuseum heraus gesucht. Am nächsten Tag wollten wir weiter fahren. Nach etwas über 800km und ca. 9 1/2 Stunden Fahrt hatten wir dieses Ziel erreicht. Erfreulicherweise ist der Dieselpreis in Schweden pro Liter ca. 50 Cent preiswerter als in Deutschland. Zu Beginn der schwedischen Sommerferien wurde dort der Spritpreis gesenkt, bei uns ist es ja leider umgekehrt !

Am nächsten Tag sind wir weiter nach Mullsjö, einem Städtchen zwischen den beiden großen Seen auf den dortigen Campingplatz gefahren. Wir konnten von dort paddeln, Blaubeeren sammeln, wandern. Auch auf dem Fluss "Tidan" sind wir gepaddelt, da Holgers neues Kajak "Tidan" heißt, mussten wir ja wenigsten einmal auf dem Fluss gepaddelt sein, damit sein Boot ordnungsgemäß getauft wird. Und es war ein sehr schön uriger Flussabschnitt ! Wir blieben auf diesem Campingplatz 8 Tage bzw. Nächte. Weiter nach Norden sollte es für uns in diesem Urlaub nicht gehen.

Von dort ging es dann nach Horn, nördlich von Vimmerby, auf den Campingplatz. Wir sind dort noch einmal auf dem Stangan gepaddelt, und einmal  auf dem Asunden See, haben wieder Blaubeeren gesammelt, die wir jedes Mal mit Vanille Joghurt gegessen hatten. Es gab soo viele Blaubeeren dieses Jahr !  Nach 6 Nächten haben wir unser Zelt eingepackt, und sind auf die Insel Öland gefahren. Eigentlich wollten wir dort noch ein oder zwei Radtouren machen, aber es stürmte die ganze Zeit so sehr, das es mich glatt umgeweht hätte ! Also Sightseeing mit dem Auto. Die letzten Tage sind wir wieder Richtung Westen gefahren, und haben an einem See einen kleinen Campingplatz gefunden. Dort sind wir auch noch zweimal gepaddelt, einen Tag sind wir nach Falkenberg gefahren, wo meine Eltern mit mir in den 1970er Jahren öfter Urlaub gemacht hatten. 

Die 3 1/2 Wochen gingen leider auch vorbei, und so haben wir uns am 14.August in zwei Tagesetappen auf den Heimweg wieder über die Brücken gemacht. Kurz vor Flensburg auf dänischer Seite eine Zwischenübernachtung auf dem teuersten Campingplatz der ganzen Reise, aber so konnten wir ausgeschlafen am Samstag nach Berlin fahren, und der ganz normale Wahnsinn hatte uns wieder !  

Fazit Schweden : Der Sprit ist preiswerter, Lebensmittel sind in etwa so teuer wie bei uns, außer Kaffee und Knäckebrot, das ist preiswerter. Mücken und Gnitzen hatten wir tatsächlich gar keine (wir waren aber auch nur im südlichen Teil Schwedens unterwegs), Blaubeeren gab es in Hülle und Fülle (soo lecker!), die Campingplätze sind gefühlt teurer geworden (zwischen 25 und 40 € pro Nacht). Das Wetter war bis auf den fast ständigen Wind schön, zwischen 20 und 27 Grad tagsüber (in der Sonne sitzen ohne schwitzen!), nachts aber auch manchmal nur zwischen 4- 6 Grad. Enttäuscht war ich in diesem Jahr irgendwie von den Gaststätten, Pizza und Hamburger gab es überall, aber keine schwedische Küche. Es gab auch Lunchbuffets, da konnte man alles essen. Die Straßen sind in einem hervorragendem Zustand, selbst die Nebenstraßen, und der Verkehr ist so herrlich entspannt. 

Mein Dank geht in erster Linie an Holger, ohne ihn hätte ich solche eine Reise in mein Herzensland nicht machen können. Er musste viele Abstriche wegen mir machen, und auf meine Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Er gleicht vieles aus, was ich im Moment nicht kann, danke dafür ! Ich gehe aufgrund meiner Erkrankung viel bewusster durchs Leben, muss aber auch meine eigenen Grenzen akzeptieren. Dafür hätte ich aber keinen Krebs gebracht ! 

Kaum wieder zu Hause, musste ich mich am letzten Montag einer weiteren Antikörperbehandlung unterziehen, die mich diesmal völlig aus den Schuhen geworfen hat. Es ging mir nicht wirklich gut, und die Erschöpfung und die Schmerzen haben wieder voll zugeschlagen. Aber ich habe keine Wahl ! 

Vor dem Urlaub musste ich meine liebe Katze Chandra, mein Seelentier, nach 18 Jahren über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Als ihr Herz aufhörte zu schlagen, zerbrach etwas in meinem. "Und während dein Herz sie vermisst, erzählt deine Katze im Himmel gerade, wie sehr du sie geliebt hast." ( von silverdreams duo) Ich vermisse sie so sehr ! Aus emotionaler Sicht und leider auch aus finanziellen Gründen möchte ich kein neues Tier mehr.  


Kommentare

  1. Was für ein schöner Reisebericht und wie schön, dass du es genießen konntest, nach deinen Möglichkeiten.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wie geht es mir wirklich ?

3.Chemotherapie und Schwerbehinderung

Die Suche nach mir